Incoterms 2020 einfach erklärt: Wer zahlt was - und wann geht das Risiko über?
Drei Buchstaben im Vertrag entscheiden, wer Fracht, Zoll und Versicherung bezahlt und wer haftet, wenn unterwegs etwas schiefgeht. Hier sehen Sie alle 11 Klauseln auf einen Blick - mit einer Grafik, die den Lieferweg Station für Station zeigt.
Kurz erklärt: Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Lieferbedingungen der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie regeln im Kaufvertrag drei Dinge: die Verteilung der Kosten, den Übergang des Transportrisikos und die Pflichten von Verkäufer und Käufer (z. B. Ausfuhr- und Einfuhrabwicklung). Aktuell gilt die Fassung Incoterms® 2020 mit 11 Klauseln.
Der Lieferweg-Explorer: Klausel wählen, Verteilung sehen
Jede Sendung durchläuft dieselben sieben Stationen. Die Grafik zeigt pro Klausel, welche Stationen der Verkäufer (dunkelblau) und welche der Käufer (orange) bezahlt - und ab welcher Station das Transportrisiko beim Käufer liegt.
Verkäufer zahlt
Käufer zahlt
Die sieben Stationen jeder Lieferung
So lesen Sie die Grafik: Der Weg beginnt an der Rampe des Verkäufers und endet entladen beim Käufer. An genau einer Stelle wechseln Kosten und Risiko die Seite - bei manchen Klauseln an unterschiedlichen Stellen.
Alle 11 Incoterms 2020 im Vergleich
| Klausel | Verkehrsträger | Haupttransport zahlt | Einfuhrabgaben zahlt | Risikoübergang | Versicherungspflicht |
|---|---|---|---|---|---|
| EXW Ab Werk | alle | Käufer | Käufer | Bereitstellung im Werk | keine |
| FCA Frei Frachtführer | alle | Käufer | Käufer | Übergabe an den Frachtführer | keine |
| CPT Frachtfrei | alle | Verkäufer | Käufer | Übergabe an den 1. Frachtführer | keine |
| CIP Frachtfrei versichert | alle | Verkäufer | Käufer | Übergabe an den 1. Frachtführer | Verkäufer (ICC A, Volldeckung) |
| DAP Geliefert benannter Ort | alle | Verkäufer | Käufer | Bereitstellung am Zielort | keine |
| DPU Geliefert entladen | alle | Verkäufer | Käufer | nach Entladung am Zielort | keine |
| DDP Geliefert verzollt | alle | Verkäufer | Verkäufer | Bereitstellung am Zielort | keine |
| FAS Frei längsseits Schiff | nur See | Käufer | Käufer | längsseits des Schiffs | keine |
| FOB Frei an Bord | nur See | Käufer | Käufer | an Bord des Schiffs | keine |
| CFR Kosten und Fracht | nur See | Verkäufer | Käufer | an Bord des Schiffs | keine |
| CIF Kosten, Versicherung, Fracht | nur See | Verkäufer | Käufer | an Bord des Schiffs | Verkäufer (ICC C, Mindestdeckung) |
Faustregel zu den Buchstaben: E = Käufer holt ab, F = Hauptfracht zahlt der Käufer, C = Hauptfracht zahlt der Verkäufer (Risiko geht aber früh über), D = Verkäufer liefert bis zum Ziel.
DAP oder DDP? Der Unterschied, der im Alltag zählt
Im internationalen B2B-Versand laufen die meisten Sendungen unter einer dieser beiden Klauseln. Der Unterschied liegt in einer einzigen Station: den Einfuhrabgaben.
DAP - Geliefert benannter Ort
- Verkäufer organisiert und zahlt den Transport bis zur Zieladresse.
- Käufer übernimmt Einfuhrzoll, Einfuhrumsatzsteuer und die Zollanmeldung im Zielland.
- Empfänger wird vom Zoll oder Frachtführer kontaktiert und zahlt die Abgaben vor Zustellung.
- Der praktikable Standard, wenn der Empfänger importfähig ist (EORI, Steuernummer).
DDP - Geliefert verzollt
- Verkäufer trägt alles bis zur Zieladresse - inklusive Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.
- Für den Empfänger die bequemste Variante: keine Überraschungen, keine Zollpost.
- Für den Verkäufer die anspruchsvollste: Er braucht die Fähigkeit, im Zielland zu verzollen und Steuern abzuführen (ggf. Registrierung oder Fiskalvertreter).
- Ohne diese Vorbereitung wird DDP schnell teuer oder bleibt im Zoll hängen.
Die vier häufigsten Incoterms-Fehler
1. „CPT/CIF heißt doch: versichert bis zum Ziel“
Nein. Bei allen C-Klauseln zahlt der Verkäufer zwar die Fracht bis zum Ziel, das Transportrisiko geht aber schon bei der Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer über. Geht unterwegs etwas kaputt, ist es das Problem des Käufers - bei CIF sogar nur mit Mindestdeckung versichert.
2. FOB oder CIF für Container- und Paketsendungen
FOB, CFR und CIF sind reine Seefracht-Klauseln mit Risikoübergang an Bord des Schiffs. Für Container, Luftfracht und Pakete sind FCA, CPT und CIP die richtigen Gegenstücke - sonst klafft eine Risikolücke zwischen Terminal und Schiff.
3. EXW im Export vereinbart
Bei Ab Werk müsste der ausländische Käufer die deutsche Ausfuhranmeldung übernehmen - praktisch kaum machbar. Macht der Verkäufer es „aus Gefälligkeit“ doch selbst, handelt er ohne vertragliche Absicherung. Besser: FCA vereinbaren, dort gehört die Ausfuhr offiziell dem Verkäufer.
4. Incoterm ohne Ortsangabe
„DAP“ allein ist unvollständig. Erst der benannte Ort macht die Klausel eindeutig: DAP Frankfurt am Main, Musterstraße 12, Incoterms® 2020. Ohne Ort und Fassung streiten sich im Schadenfall zwei Anwälte.
Häufige Fragen zu Incoterms
Was ist der Unterschied zwischen DAP und DDP?
Bei beiden liefert der Verkäufer bis zum benannten Zielort. Bei DAP zahlt der Käufer die Einfuhrabgaben (Zoll und Einfuhrumsatzsteuer) und kümmert sich um die Zollanmeldung im Zielland. Bei DDP übernimmt der Verkäufer auch das - er liefert fertig verzollt und versteuert.
Wer zahlt den Zoll bei DAP?
Der Käufer. Der Verkäufer bringt die Ware bis zur Zieladresse, aber Einfuhrzoll, Einfuhrumsatzsteuer und die Einfuhranmeldung liegen beim Empfänger. In der Praxis kontaktiert der Frachtführer oder Zoll den Empfänger und zieht die Abgaben vor der Zustellung ein.
Gelten Incoterms auch bei Lieferungen innerhalb Deutschlands oder der EU?
Ja. Zollstationen entfallen dann zwar, aber Kostenverteilung, Risikoübergang und Pflichten wie Beladung oder Entladung regeln die Klauseln genauso im Binnenhandel. Üblich sind hier vor allem EXW, FCA, DAP und DPU.
Was hat sich mit Incoterms 2020 geändert?
Die wichtigsten Neuerungen: DAT wurde in DPU (Geliefert entladen) umbenannt und flexibler gefasst. Bei CIP gilt jetzt Volldeckung (ICC A) als Pflichtversicherung, bei CIF weiterhin Mindestdeckung (ICC C). Bei FCA kann der Käufer den Frachtführer anweisen, dem Verkäufer ein Bord-Konnossement auszustellen - wichtig für Akkreditive. Ältere Fassungen bleiben gültig, wenn sie im Vertrag ausdrücklich genannt sind.
Worin unterscheiden sich CIF und CIP bei der Versicherung?
Beide verpflichten den Verkäufer zu einer Transportversicherung zugunsten des Käufers. CIF (nur Seefracht) verlangt aber nur die Mindestdeckung nach ICC C, während CIP seit 2020 die Volldeckung nach ICC A vorschreibt. Wer bei CIF mehr Schutz will, muss ihn ausdrücklich vereinbaren.
Welcher Incoterm passt für den internationalen Paket- und Palettenversand?
In den meisten B2B-Fällen DAP: Der Versender organisiert den Transport bis zur Tür, der Empfänger übernimmt die Einfuhrabgaben. Soll der Empfänger gar nichts mehr zahlen, ist DDP die Komfortlösung - vorausgesetzt, der Versender kann im Zielland verzollen. Holt der Käufer mit eigenem Frachtführer ab, ist FCA die saubere Wahl.
Unsicher, welche Klausel zu Ihrer Lieferung passt?
Wir versenden täglich international für Dentallabore, Medizintechnik und Handel - und sagen Ihnen ehrlich, welcher Incoterm zu Ihrer Sendung, Ihrem Zielland und Ihrem Empfänger passt.
Incoterms® ist eine eingetragene Marke der Internationalen Handelskammer (ICC). Maßgeblich ist allein der offizielle Regeltext der ICC-Publikation Nr. 723 (Incoterms® 2020). Diese Seite fasst die Regeln vereinfacht zusammen und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: Juli 2026.